Umdreher

Umdreher gegen die Bankposition und aus der eigenen Rückenlage
Eine Unterrichtseinheit von Ralf Lippmann

Ich stellen hier einige kindgerechte, einfache Lösungsmöglichkeiten zur Ausbildungs- und Prüfungsordnung vor. Die Umdreher gegen die Bank- und Bauchlage stellen kindgerechte Lösungen für den 7.Kyu dar, die Umdreher aus der eigenen Rückenlage zum Haltegriff zum 6.Kyu.

Die Bodenarbeit im Judo unterliegt abhängig von Zieltechniken bestimmten Prinzipien, wie z.B.: Einsatz des eigenen Körpergewichts, parallel werden, unter den Schwerpunkt kommen, Ausnutzen des Gegendrucks, schrittweise Kontrollpunkte wechseln, Stütze fixieren oder wegnehmen usw.

Haltegriffe, Armhebel und Würgegriffe stellen im Judo lediglich Endpositionen von Techniken dar, die aus Positionen des Bodenkampfes unter Berücksichtigung der oben genannten Prinzipien herausgearbeitet werden müssen. In der Ausbildungs- und Prüfungsordnung werden Standardsituationen, wie Bauchlage oder Bankposition vorgegeben, aus denen Endpositionen wie zunächst Haltegriffe und später Armhebel oder Würgegriffe erarbeitet werden. Aus methodische Gesichtspunkten ist es wünschenswert, die Techniken von Anfang an unter Berücksichtigung von möglichem Gegnerverhalten zu erlernen. Dies wird zunächst ohne, und dann mit langsam steigerndem Partnerwiderstand geübt. Dabei sollen grundlegende Verhaltensweisen und Prinzipien mit dem eigenen Körper erfühlt und begriffen werden.

Zwei einfache Umdreher gegen die Bank-/Bauchlage des Partners

Gegen die Bankposition greift Tori von der Seite mit beiden Händen von unten durch um die Stütze zu fixieren

Anschließend stellt Tori das vordere Bein weit nach außen um sich selber schräg nach vorne abdrücken zu können. So wird Uke in Kopfrichtung nach vorne gezogen, Tori zieht die Stützen weg und dreht Uke zum Haltegriff (Abb.1).

 

 

 

 

Abb.2 Zunächst wird der Partner, der sich in Bauchlage befindet, mit der bekannten sogenannten “Schlüsseltechnik” unter Einsatz des eigenen Körpergewichts umgedreht.

 

 

 

Wenn Uke dies verhindern will, indem er den anderen Arm als Stütze heraus nimmt, wird ihm Tori diese Stütze kreisförmig nach vorne wegziehen, um ihn dann zum Haltegriff umdrehen zu können (Abb.3).

 

 

 

Zwei einfache Umdreher aus der eigenen Rückenlage zum Haltegriff

Zunächst soll wieder das grundsätzliche Prinzip ”Stütze wegnehmen” verdeutlicht werden. Andrea kniet zwischen Franks Beinen und stützt sich oberhalb seiner Schultern mit beiden Händen ab - Dies ist natürlich keine realistische Angriffssituation , sondern eine methodische Vorübung zum Erlernen des Prinzips.

Tori schiebt mit beiden Handflächen Ukes Arme nach oben weg, dreht sie auf den Rücken und hält mit Tate-shio-gatame Dadurch, dass Tori in der Ausgangsposition bereits unter Ukes Schwerpunkt liegt, ist es sehr einfach, sie auf den Rücken zu drehen. Hier wird gleichzeitig ein zweites Bodenprinzip- ”Unter den Schwerpunkt kommen und drehen”- verdeutlicht (Abb.4).

 

 

 

Die eigentliche Bodentechnik zeigt Tori anschließend (Abb.5). Dieser Umdreher ist sowohl im Wettkampf, im Randori und auch in der Kinder – Ausbildung sehr beliebt und erfolgreich.

Uke versucht aus der Angriffsposition zwischen Toris Beinen diagonal an dessen Revers zu greifen. Aber Tori ist schneller, fängt den Arm ab und leitet ihn weiter am eigenen Kopf vorbei, indem er mit der Hand von außen den Arm weiter schiebt. Gleichzeitig richtet er sich leicht auf, um Uke entgegen zu starten und mit dem anderen Arm um Ukes Nacken zu greifen  Jetzt muß er schnell die Arme schließen und verschränken um Uke eng und fest zu fixieren. Nun kann er durch zusätzlich leichtes Strecken der Beine Uke umdrehen und mit Tate-shio-gatame festhalten .

 

 

 

 

 

Dieser Umdreher sollte zu beiden Seiten in Uchi-komi Form intensiv, zunächst ohne Partnerwiderstand, und dann mit allmählich steigerndem dosierten Widerstand geübt werden. Bei hohen Wiederholungszahlen ist darauf zu achten, dass durch abwechslungsreiche Spiel- und Übungsformen und unterschiedliche Organisationsformen keine Langeweile bei den Kindern auftritt. Als Beispiel beschreiben wir kurz eine Organisationsform in Dreiergruppen, die sich gerade im Kinderunterricht bewährt hat:

Zwei Toris liegen im Abstand von ca. sechs Meter mit gegrätschten Beinen und aufgestellten Füßen auf dem Rücken und beobachten Uke. Dieser läuft zwischen beiden hin und her und versucht aus dem Kniestand mal mit der rechten und mal mit der linken Hand diagonal an Toris Revers zu greifen. Tori weiß allerdings nicht mit welcher Hand gegriffen wird und muß jedes Mal richtig reagieren. Alle zwei bis drei Minuten werden die Rollen getauscht.

Welche Gruppe schafft die meisten Wiederholungen? Achtung, Qualität geht deutlich vor Geschwindigkeit!

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