Handlungskomplex gegen die Bauchlage

Handlungskomplex Sankaku-/Juji-gatame am Boden
Eine Unterrichtseinheit von Ralf Lippmann
(Text: Ralf Lippmann, Fotos: Thomas Muschke)

Mit dem Begriff Handlungskomplex umschreibt die moderne Trainingslehre im Judo folgendes: “Ein Handlungskomplex beinhaltet alle vorbereitenden und nachbereitenden Handlungen oder Techniken um eine zentrale Haupttechnik”.

So könnte sich zum Beispiel ein Handlungskomplex im Stand um die Haupttechnik Seoi-nage mit den vorbereitenden Nebentechniken Kumi-kata und Ko-uchi-gari, und den nachbereitenden Techniken Ko-uchi-maki-komi und Tani-otoshi darstellen. Dazu kommen dann noch die notwendigen Reaktionen Ukes, wie Ausweichen oder Blocken, welche die Voraussetzungen für nachbereitende Techniken schaffen.

(vergl. “Stufenmodell zum langfristigen Aufbau eines Handlungskomplexes”, HELD 1996).

Am Boden ist diese zentrale Technik oft nicht erkennbar, sondern es handelt sich meistens um unterschiedliche Wege aus einer Standardposition heraus hin zu einer Endposition. So ist beispielsweise Juji-gatame eigentlich keine Bodentechnik, sondern nur die Endposition in der Uke zur Aufgabe gezwungen wird. Die eigentliche Technik ist der Weg zu dieser Endposition, abhängig von der Ausgangsposition und den möglichen Aktionen und Reaktionen des Gegners. So sprechen wir im Judo-Bodenkampf eher von Handlungsketten, also einer Folge von technisch-taktischen Handlungen, die in sogenannten “Wenn-Dann-Beziehungen” Schritt für Schritt zum Erfolg führen.

Wir zeigen im Folgenden eine Handlungskette gegen die Standardposition Bauchlage, die abhängig von Ukes Reaktionen mit Sankaku- oder Juji-gatame abgeschlossen wird:

Schritt 1: Sankaku gegen die Bauchlage

Abb. 1 bis 3  Ralf sitzt über seinem in der Bauchlage befindlichen Partner. Um zu Sankaku einsteigen zu können, zieht er ihn an Kragenrevers und Ellenbogen hoch und schiebt ein Bein von vorne über die Schulter hinweg unter Ukes Brust.

 

 

Abb. 4 bis 6 Die Verteidigung Ukes läßt es zu, dass Ralf zur Seite des eingesetzten Knies kippen, den eigenen Spann in die Kniekehle des anderen Beines legen und damit das Dreieck fixieren kann. Durch Streckung des Armes und gleichzeitigen verstärkten Beindruck entsteht  sowohl ein Hebel als auch ein Würger.

 

 

Schritt 2: Juji-gatame gegen die Bauchlage

Abb. 7 bis 10   Uke greift bei Ralfs Sankaku-Versuch verteidigend dessen rechtes Bein, so daß Ralf Ukes rechte Schulter mit den Füßen in der Endposition fixieren kann. Er hebelt mit Juji-gatame.

 

 

Schritt 3: Gyaku-juji-gatame gegen die Bauchlage

Abb. 11 bis 15 Uke rollt, den Schwung der Kippbewegung von Ralf nutzend, verteidigend mit, vernachlässigt dabei aber die Armverteidigung. Ralf fixiert Uke in der Bauchlage und hebelt mit Gyaku-juji-gatame.

 

 

 

Schritt 4: Gerollter Juji-gatame gegen die Bauchlage

Abb. 16 bis 19 Uke rollt wie zuvor verteidigend mit, zieht aber diesmal den angegriffenen Arm zu sich und kugelt sich ein.

 

 

Abb. 20 und 21 Indem Ralf mit seinem Unterschenkel Ukes Nacken/Kopf fixiert, hat er Zeit genug, sich selbst auf seine andere Körperseite zu drehen (ohne Verlust der Armkontrolle)

 

Abb. 22 und 23 Er greift beide Beine und kippt Uke als Einheit über sich.

 

Abb. 24 und 25 Der Abschluss bildet ein klassischer Juji-gatame. (vgl. auch “Gerollter Juji-gatame gegen die Bankposition”, U.Klocke)

 

Schritt 5: Wechsel zum Haltegriff

Abb. 26 bis 29 Ralf kann Ukes Arm nicht zum Streckhebel lösen und wechselt deshalb zum Haltegriff, indem er sein linkes Bein durch Ukes “Arm-Ring” schiebt und zum Hürdensitz wechselt.

 

 

Schritt 6: Vom Haltegriff zum Sankaku

Abb. 30 bis 33 Uke verteidigt gegen den Haltegriff durch Schulterbrücke, Ralf schiebt sein rechtes gestrecktes Bein unter Uke durch und fixiert in der Endposition wiederum mit Sankaku.

 

 

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