Vom Kämpfen um ein Objekt 
 zu judospezifischen Lösungen

Vom Kämpfen um ein Objekt zu Situationen und Lösungen der Sportart Judo
Eine Unterrichtseinheit von Ralf Pöhler

Methodisch-didaktische Überlegungen

Lerngruppe und Verankerung im Rahmenplan Sport

Ausgehend von den spielerischen Versuchen im Unterricht der Klassenstufen 5 bis 7 “Vom Kämpfen um ein Objekt zum Kämpfen am Boden” sollen in dieser Einheit Erfahrungen der Schüler/innen gesammelt und ihre Lösungsansätze zu einfachen Judotechniken weitergeführt werden. Unter “Techniken” verstehe ich hier Lösungen für bestimmte Zweikampfsituationen, d.h. es fallen darunter nicht nur die bekannten Judotechniken (z.B. die Haltegriffe), sondern auch Lösungsmöglichkeiten für Umdreher gegen die Bank- und Bauchlage etc.

Dies soll unter größter Mitwirkung der Schülerinnen und Schüler erfolgen, d.h. es bietet sich ein induktives Vorgehen an. Gleichzeitig lernen die Schüler/innen Kriterien für gelungene Aktionen innerhalb des sportlichen Regelsystems kennen. Das Erarbeiten von Lösungsmöglichkeiten fördert in hohem Maße die reflexive Auseinandersetzung mit der eigenen Bewegung und der des anderen sowie deren jeweiligen Bedingungen, - wie vom Lehrplan gefordert. Es soll in Ansätzen das Technikrepertoire der Sportart Judo am Boden für die beiden ersten Gürtelstufen (8. + 7. Kyu-Grad) erschlossen werden.

Zweikämpfen bietet den Ansatzpunkt für wichtige weitergehende Unterrichtsvorhaben und –inhalte. Auf jeden Fall sollte im Rahmen dieser Einheit über den Umgang mit Angst gesprochen werden. Das Gehalten-werden ist für viele Schüler/innen mit dem Gefühl von Ohnmacht und Beklemmung verbunden. Dies gilt es zu thematisieren.

Lernziele

  • Kennenlernen judospezifischer Zweikampfsituationen am Boden
  • Erarbeiten einfacher Lösungswege für diese Zweikampfsituationen
  • Kennenlernen der vier Grundhaltegriffe des Judosports als Kontrollpositionen zum Abschluss der Zweikampfsituationen am Boden
  • Erarbeiten von Befreiungsmöglichkeiten aus diesen Grundhaltegriffen

Zu den Unterrichtsvorschlägen

Da nunmehr eine Sportart in den unterrichtlichen Mittelpunkt rückt, macht es Sinn einige Verhaltensregeln des Judosports in den Sportunterricht zu integrieren. Hierzu zählen insbesondere das Begrüßen zum Stundenanfang und –ende, sowie die Verneigung zu Beginn und zum Ende jeder Partnerübung, um den Respekt vor dem Partner und das gewollte faire Verhalten zum Ausdruck zu bringen.

Die Lösungen sollten zunächst immer ohne Partnerwiderstand geübt werden. Das Umschalten von Gegeneinander (kämpfen) zu Miteinander (üben), fällt Schülern nicht immer leicht.

Die möglichen Spielsituationen beziehen sich überwiegend auf mein Skript “Vom Kämpfen um ein Objekt zum Kämpfen am Boden”. Viele der Lösungsbeschreibungen stammen aus “Ringen und Kämpfen – Zweikampfsport” (Landessportbund NRW, 1.2002). Die Zeichnungen der Haltegriffe sind dem Buch “Wir machen Judo” von Bonfranchi/Klocke (Niedernhausen, 1984) entnommen.

Zweikampfsituationen kennen lernen und einfache Lösungswege erarbeiten

Im Kniestand

Mögliche Spielsituationen: “Kampf um den Kniestand”, “Aus der Matte”, “Bis hierhin und nicht weiter!”

Die Spielsituation wird durch eine weitere Regel erweitert. Gewinnen kann auch derjenige, der den Partner mit dem Rücken auf dem Boden festhält. Bei einem induktiven Vorgehen sollen die Schüler zunächst eigene Erfahrungen machen. Die Lösungen für diese Zusatzregel werden anschließend vorgestellt und bewertet. Dabei ist wichtig, dass die Schüler begreifen, dass sie zunächst ohne Gegeneinander versuchen müssen, die vorgestellte Lösungsmöglichkeit nachzuvollziehen. Erst nach einigen Wiederholungen darf dosierter Widerstand geleistet werden.

Lösung 1: Den drückenden Partner mit Griff um die Hüfte und Zug am Arm nach vorne umkippen und festhalten.

Lösung 2: Das Knie blockieren, Partner zur Seite oder diagonal nach hinten umdrücken und festhalten.

In der Bankposition

Mögliche Spielsituationen: “Das ist mein Ball”, “Schatz vergraben und bewachen”, “Unumstößlich”, “Schildkröten umdrehen”

Lösung 1: Mit Klammergriff um den Bauch (Bauch-Rücken-Kontakt) überrollen (Problem: Dadurch kann ich den Ball noch nicht in meinen Besitz bekommen)

Lösung 2: Von der Seite die Arme blockieren, Partner umdrücken (Wälzer) und festhalten

Lösung 3: Arme und Beine als Stützen wegnehmen durch Päckchen-Schnüren und umdrücken

In der Bauchlage

Mögliche Spielsituationen: “Halten und Drehen”, “Den Partner umdrehen”

Lösung 1: Von der Seite Partner an Arm und Bein anheben, rollen und festhalten

Lösung 2: Unter dem Arm durch, die Hand in den Nacken legen, Partner umdrehen und festhalten

In der Rückenlage

Mögliche Spielsituationen:

“Schulter-Tick”: Ein Partner liegt auf dem Rücken, der andere steht vor ihm und versucht die Schulter des am Boden Liegenden zu ticken. Der Verteidiger darf den “Angreifer” mit den Füßen blockieren, der “Angreifer” darf die Hände nicht einsetzen.

“Den Partner klammern”: Ein Partner sitzt hinter dem anderen. Auf ein Kommando hin versucht der vorne sitzende zu entkommen, der hinten sitzende Partner versucht ihn mit den Beinen zu klammern.

Lösung 1: Bein herunterdrücken, mit dem “inneren” Bein herübersteigen und den Partner festhalten

Lösung 2: Partner nicht klammern lassen, Knie zusammendrücken und zum Halten wälzen

Halten und Befreien

Kriterien des Haltens

  1. Kontrolle über den Partner (eine oder beide Schultern des Gehaltenen müssen auf dem Boden sein)
  2. Kontrolle über den Partner von oben, von der Seite oder von hinten (der Haltende muss immer weitgehend über dem Gehaltenen sein)
  3. Der Gehaltene darf nicht die Beine des Haltenden klammern

Wird eines der Kriterien im Verlauf der Aktion nicht (mehr) erfüllt, gilt der Haltegriff als gelöst.

Vier Grundhaltegriffe der Sportart Judo

 

Kesa-gatame (Schärpen-Haltegriff)

 

Yoko-shio-gatame (Seitlicher Haltegriff)

 

Tate-shio-gatame (Reiter-Haltegriff)

 

Kami-shio-gatame (Kontrolle der Schulter und des Kopfes/ “Indianer-Haltegriff”)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Übungsformen zur Hinführung, Festigung und Befreiung

Alle Haltegriffe sind Möglichkeiten des Abschlusses einer der oben aufgeführten Aktionen. D.h. die Situation endet in der Kontrolle des Haltenden über den Gehaltenen.

Übung 1: Die Partner sitzen im Längssitz nebeneinander, die Füße in entgegengesetzte Richtung. Beide halten sich mit dem naheliegenden Arm am Oberkörper fest. Sie versuchen sich gegenseitig umzudrücken und anschließend mit Kesa-gatame festzuhalten.

Übung 2: “Halten auf Zeit” Der Haltende zählt langsam bis 10. Gelingt es dem Gehaltenen herauszukommen erhält er den Punkt, sonst der Haltende.

Übung 3: Kombination von zwei Haltegriffen

Befreiungen aus den Haltegriffen erarbeiten. Dazu zählen

  • Befreiung durch Beinklammer
  • Befreiung durch Herauswinden
  • Befreiung durch Überrollen

 

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