Vom Kämpfen um ein Objekt 
 zum Kämpfen am Boden

Vom Kämpfen um ein Objekt zum Kämpfen am Boden
Eine Unterrichtseinheit von Ralf Pöhler

Methodisch-didaktische Überlegungen

Lerngruppe und Verankerung im Rahmenplan der Sek.I Sport in Hamburg

Die vorgestellten Übungen eignen sich generell für alle Altersgruppen zur Einführung ins Zweikämpfen mit Körperkontakt. Dennoch richtet sich diese Einheit vor allem an die Jahrgänge 5 bis 7. Mehr als in anderen Altersgruppen finden wir hier unterschiedlichste körperliche Voraussetzungen gepaart mit einem großen Maß an Bewegungsfreude. Ein spielerisch-kämpferischer Weg in dieses Lernfeld kommt den Schüler/innen dieser Altersgruppe entgegen.

Weit mehr als bei anderen Lernfeldern kann über das “Sich körperlich auseinandersetzen” ein rücksichts- und verantwortungsvolles Miteinander gefördert werden. Beim Zweikämpfen muss ich einen Mittelweg zwischen Erfolgsorientierung und fairem Umgang finden. Was kann ich dem anderen zumuten, was kann ich verantworten?

Die Zweikampfübungen sind so ausgewählt, dass jede/r Schüler/in mit seinen/ihren individuellen Voraussetzungen einbringen kann; zugleich sollen diese Voraussetzungen von den Mitschüler/innen respektiert werden. Die Aufgabenstellungen sind relativ offen und geben Gelegenheit, sich mit den Lösungsansätzen innerhalb der Gruppe in Hinführung auf eine Zweikampfsportart wie Ringen oder Judo auseinander zu setzen. Zweikampfangebote, insbesondere solche am Boden, gehen mit engem Körperkontakt einher. Sie entwickeln deshalb in hohem Maße die Wahrnehmungsfähigkeit und die Identifikation mit dem eigenen Körper und sensibilisieren zugleich für die Reaktionen eines Partners.

Lernziele

  • Kennenlernen und Erproben von Ring- und Raufspielen am Boden
  • Akzeptieren und Aufnehmen von Körperkontakt
  • Erspüren eines angemessenen Krafteinsatzes beim Zweikämpfen am Boden
  • Aufbau von Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten
  • Entwickeln von Fairness im Umgang mit anderen durch Zweikämpfen
  • Kennenlernen erster judospezifischer Lösungen zweikampfspezifischer Situationen am Boden

Zu den Unterrichtsvorschlägen

Warum am Boden starten? Zweikämpfen am Boden birgt nur ein relativ geringes Verletzungsrisiko. Es geht schon sehr bald um “wirkliches” Kämpfen, der Ansporn des Kräftemessens im relativ freien Gegeneinander ist schnell zu erreichen. Es sind keine weiteren Vorkenntnisse wie etwa Falltechnik notwendig, um beginnen zu können. Lehrer/innen haben in diesem Bereich des Zweikämpfens die meisten eigenen Erfahrungen, z.B. durch das Rangeln mit ihren eigenen Kindern.

Was bedeutet kämpfen am Boden? Ich verstehe darunter alle Zweikampfformen mit Körperkontakt in

  • Bauchlage, Rückenlage,
  • Fersensitz, Langsitz, Schwebesitz usw.,
  • Kleine und große Bank (Vierfüßlerstand) oder
  • Kniestand

Ziel der Unterrichtseinheit ist es von der Körperkontakt-Anbahnung über das Kämpfen um ein Objekt zu ersten Lösungsansätzen der Fachsportart Judo zu gelangen. Das Kämpfen um Objekte wie Medizinbälle, Wäscheklammern oder Gürtel am Boden zum Einstieg in das Lernfeld “Ringen und Raufen – sich körperlich auseinandersetzen” bahnt die direkte körperliche Auseinandersetzung an und verlangt deutlich niedrigere sozial-emotionale Anforderungen.

Materielle Voraussetzungen

Turnhallenböden sind nicht gerade einladend, um darauf sitzend, liegend oder anders zu kämpfen. Es eignen sich deshalb fast alle Matten, besonders aber solche mit glatten Oberflächen (wie z.B. Judomatten oder auch die modernen Gymnastikmatten, die teilweise sogar schon mit Klettverschlüssen versehen sind.) für diese Einheit. Es genügen aber auch traditionelle Turnermatten, auch wenn diese oftmals stoppen.

Die Schüler/innen sollten langärmelige Sweatshirts und lange Hosen anhaben, um Schürfwunden zu vermeiden. Außerdem sollte man darauf hinweisen, dass Kleidung getragen wird, an der man auch einmal reißen darf. Socken sind akzeptabel, man sollte sich aber darauf einigen, dass Turnschuhe nicht getragen werden. Schmuck, wie z.B. Ringe, Ohrringe oder Ketten, oder Haarspangen sollen unbedingt vor der Stunde abgelegt werden.

Mehr als bei anderen Sportarten muss beim Zweikämpfen mit Körperkontakt die körperliche Hygiene thematisiert werden. Dazu gehören vor allem geschnittene Fingernägel. Da Judomatten ausschließlich barfuß genutzt werden dürfen, ist auf ausreichende Fußhygiene zu achten.

Sozialformen

Die Schüler/innen sollten zu Beginn Freunde wählen können, jedoch schon nach wenigen Versuchen immer auch aufgefordert werden, sich andere Partner zu suchen. So ist es z.B. möglich, dass sich der jeweilige Verlierer einen Verlierer, der Gewinner eines Zweikampfes einen anderen Gewinner sucht. Bei Einführung von technischen Elementen sollte deutlich gemacht werden, dass es sich nicht um eine Zweikampfsituation handelt, sondern um eine Übungsphase.

Rituale wie das Verneigen vor und nach dem Kampf zeigen an, dass es Absprachen und Regeln des Kämpfens gibt, die unter allen Umständen eingehalten werden müssen. Der Stundenbeginn und –abschluss kann z.B. in einer Kreisform im Kniesitz aller Schüler/innen erfolgen und unterstützt die Reflexionsphase.

Es sollte während der Stunde Rückzugsmöglichkeiten für Schüler/innen geben. Die Inanspruchnahme sollte nur bei auffälligem Sich-entziehen hinterfragt werden. Dies kann z.B. eine Weichbodenmatte sein, die in einer Ecke der Halle liegt.

Körperkontakt anbahnen – Spiele mit Körperkontakt

Im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten und Sportspielen ist Körperkontakt beim Zweikämpfen unabdingbare Voraussetzung. Gerade im schulischen Kontext bedarf es jedoch der Anbahnung von Körperkontakt, damit eine Reihe von Vorbehalten und Ängsten abgebaut werden. Je nach Alter und Entwicklungsstand der Lerngruppe muss hier längere Zeit verweilt werden. Bei Spiele mit Körperkontakt findet oftmals ein Wechsel von Laufen und Kontaktphasen statt. Weiteres methodisches Prinzip: Vom Spiel in der Gruppe zur Zweikampfsituation.

Fangen und erlösen

Einer oder mehrere Ticker. Die Getickten müssen in eine große Bank und können erlöst werden, indem jemand unter ihnen durchkriecht (in Bauch- oder Rückenlage).

Fang den Dieb

Ein Dieb soll von der Gruppe nur mit Hilfe der Körper eingefangen werden. Dazu ist ein begrenzte Spiel- oder Mattenfläche notwendig.

Verletzte bergen

Wer von dem oder den Ticker/n abgeschlagen wird, muss sich auf den Bauch/Rücken legen und kann erst weiter mitspielen, wenn er von anderen über die Spielfeldlinie gezogen wurde.

Ansitz-Tick

Die Schüler/innen verteilen sich paarweise über das Spielfeld. Ein Jäger jagt einen Hasen. Dieser kann sich retten, indem er sich eng an ein Paar heransetzt. Der äußere wird nun zum Jäger, der Jäger zum Hasen. Spannung erhält das Spiel, wenn man ein weiteres Fängerpaar bestimmt, das z.B. einen Latschen als Erkennungszeichen erhält.

Hase und Igel (in der Reihe)

Alle Schüler/innen sitzen in einer Reihe in der Hocke oder im Schneidersitz, jeweils in entgegengesetzter Richtung. Ein Hase versucht einen Igel zu fangen. Während der Hase nur in eine Richtung um die Gruppe herumlaufen darf, kann der Igel “abkürzen”, indem er die Position eines Mitspielers einnimmt, der nun für ihn weiterläuft.

Mc Donalds

Wenn der Lehrer einen Begriff ruft, müssen die Schüler/innen die entsprechende Bewegung ausführen:

  • Pommes frites: Lang auf den Boden ausstrecken und in Längsrichtung drehen
  • Cola: Auf einem Bein stehen und mindestens einen Arm wie einen Strohhalm nach oben strecken
  • Hamburger: Ein Schüler auf dem Bauch, ein anderer auf ihm
  • Cheesburger: Ein Schüler auf dem Rücken, ein anderer mit dem Bauch auf ihm
  • Big Mac: Drei Schüler übereinander
  • Milch Shake: Ein Schüler steht hinter dem anderen und schüttelt diesen an der Hüfte durch

Körperkontakt akzeptieren und intensivieren

Kämpfen um ein Objekt

Kämpfe um ein Objekt ermöglichen es, indirekt Körperkontakt aufzunehmen. Durch den Einsatz von Geräten und Alltagsgegenständen erfolgt eine unverbindliche, fast unbeabsichtigte Kontaktaufnahme, obwohl es schon bald “zur Sache” geht.

Medizinballschieben

Ein Medizinball zwischen zwei auf dem Boden liegenden Schüler/innen soll über eine Linie gedrückt werden.

Das ist mein Ball (judospezifische Situation der Bankposition)

Ein Medizinball wird zwischen zwei auf dem Boden liegenden Schüler/innen mit ausgestreckten Armen gehalten. Nun versuchen beide auf ein Kommando, den Ball unter ihren Bauch zu ziehen.

Schatz vergraben und bewachen (judospezifische Lösung der Situation als Obermann)

Der Medizinball wird von einem Schüler unter dem Bauch “vergraben” und soll dort von einem anderen Schüler herausgeholt werden.

Wäscheklammer-Klau

Jeder der Zweikämpfer/innen befestigt eine Wäscheklammer am Rücken, die der andere erbeuten soll. Variation: Die Wäscheklammer wird am Bauch befestigt, darf jedoch nicht mit den Händen beschützt werden, sondern nur durch Abdrehen oder “Einigeln”.

Tauziehen

Judogürtel eignen sich hervorragend als Tauersatz. Die Zweikämpfer/innen versuchen sich gegenseitig über eine Linie zu ziehen.

Ritterlicher Reiterkampf

Zwei Reiterpaare (Pferd im Vierfüßlergang) tragen einen Tauzieh-Wettkampf aus, ohne dabei mit den Füßen den Boden zu berühren oder vom Pferd zu stürzen.

Körperkontakt erfahren und Vertrauen gewinnen

Körperkontakt muss “erprobt” werden, weil dazu auch gehört, dass man Vertrauen zum Partner gewinnt. Es gibt unterschiedliche Grade des Körperkontakts. Am unverfänglichsten ist der indirekte Kontakt durch die Beschäftigung mit einem Gegenstand (s.o.); aber auch Kämpfe um einen Raum werden von Schüler/innen als wenig emotional belastend erfahren. Wichtig ist vor allem: Es muss Rückzugsmöglichkeiten für Auszeiten geben, wenn jemand sich nicht beteiligen möchte. Außerdem bedarf es der Zeit für Reflexionen.

Schwertransporter (Vorübung für das Fallen)

Ein Partner im Vierfüßlerstand transportiert einen auf ihm liegenden Schüler und kippt ihn dann auf einer Matte vorsichtig ab.

Affenfelsen (Vorübung für das Fallen)

Ein Partner ist in der hohen Bankposition. Der andere legt sich quer über ihn und versucht nun, möglichst weit um ihn herumzuklettern. Er darf sich dabei an der Kleidung des anderen festhalten.

Gewusel

Zwei einander gegenüber sitzende Gruppe versuchen auf einer relativ begrenzten Mattenfläche auf ein Kommando hin von einer Seite zur anderen Seite robbend, kriechend oder krabbelnd zu gelangen.

Schlangengrube und Ameisenhaufen

Auf einer begrenzten Mattenfläche sind alle zunächst Schlangen, die sich robbend bzw. kriechend bewegen. Dabei darf immer einer vorsichtig über einen anderen rutschen. Anschließend verwandeln sich alle in Ameisen. Wieder darf man wieder über andere kriechen; es entwickeln sich kleine Kämpfe. Wenn einige Ameisen zusätzlich einen Ball “transportieren” entwickeln sich darum kleine Kämpfe.

Kämpfen um einen Raum

Obwohl zwischen den beiden Kampfpartnern nichts mehr “steht”, d.h. eine direkte körperliche Auseinandersetzung, ein direktes Kräftemessen stattfindet, wird diese Situation als weniger sozial-emotional belastend empfunden als die später folgenden Kampfspiele um eine Körperposition des Partners.

Aus der Matte (Widerstand)

Beide Partner sitzen sich auf einer Turnermatte gegenüber. Wer schafft es, den anderen aus der Matte zu drängen? Variation: Beide Partner sitzen Rücken an Rücken auf der Matte und versuchen sich gegenseitig von der Matte zu schieben.

Bis hierhin und nicht weiter!

Beide Partner sitzen sich im Fersensitz an einer Mittellinie gegenüber. Auf ein Kommando hin versuchen sie ihren Partner über eine Linie hinter ihm zurückzudrängen.

Schulterdrücken

Beide Partner befinden sich im Vierfüßlerstand und kommen mit einer Schulter zusammen. Nun versuchen sie den anderen über eine Linie hinter ihm zurückzudrängen.

Bauchziehen

Beide Partner liegen sich in der Bauchlage gegenüber und geben sich die Hände. Wer schafft es, den anderen zu sich herüber zu ziehen ohne selbst gezogen zu werden?

Ringen und Raufen am Boden entwickeln

Kämpfen um eine Körperposition

Worum geht es beim Zweikämpfen mit Körperkontakt? Ziel ist es oftmals, den Partner aus dem Gleichgewicht zu bringen, sofern der Kampf im Fersensitz oder Kniestand beginnt, und anschließend zu immobilisieren, ihn am Boden zu fixieren. Es geht beim Kämpfen jetzt nicht mehr um etwas anderes (ein Objekt oder einen Raum), sondern um den Körper des anderen. Dabei entstehen bestimmte Situationen die denen klassischer Zweikampfsportarten wie Judo oder Ringen schon sehr nahe kommen. Auch die Aufgabenstellungen orientieren sich schon oftmals an den Zielen normierter Zweikampfsportarten.

Viele Zweikämpfe sind ein reines Kräftemessen. Doch ist es auffällig, dass vielfach ein Partner eine bestimmte Position einnimmt, die es gilt zu verteidigen, während der andere möglichst kreativ versuchen soll, sein Handlungsziel zu erreichen. Die verschiedenen Lösungsmöglichkeiten, die der Lehrer/die Lehrerin beobachtet, sollten zusammengetragen werden und können als Basis für einen Technikunterricht dienen.

Schwebesitzkampf

Beide Partner sitzen sich im Schwebesitz gegenüber, die Arme vor der Brust verschränkt. Wer schafft es, den Partner so mit den Füßen zu drücken, dass dieser auf dem Rücken landet?

Liegekämpfchen

Beide Partner liegen nebeneinander auf dem Rücken in entgegengesetzter Richtung, die Hüfte jeweils ungefähr in Schulterhöhe des anderen. Durch Einhakeln des inneren Beines versuchen sie sich gegenseitig zu einer Rolle rückwärts zu zwingen (vorher Rolle rückwärts über eine Schulter üben!).

Rückenkralle

Beide Partner sitzen Rücken an Rücken. Auf ein Kommando hin versuchen sie so schnell sie können, einen Fuß des anderen zu berühren.

Rücken-Touchdown

Beide Partner sitzen Rücken an Rücken, stützen sich aber so ab, dass das Gesäß keinen Bodenkontakt hat. Sie versuchen nun durch Schieben und Nachgeben den anderen dazu zu zwingen, sein Gesäß abzusetzen.

Spinnenkampf

Beide Partner befinden sich im umgekehrten Vierfüßler. Sie versuchen nun durch Fußhakeln und Wegziehen von Armen und Beinen den anderen dazu zu zwingen, das Gesäß auf den Boden zu bringen.

Halten und Drehen (judospezifische Situation der Kontrolle als Obermann)

Ein Partner liegt auf einer Turnermatte bäuchlings, der andere legt sich über dessen Hüften und hält ihn fest. Der untenliegende Partner soll nun versuchen, sich auf den Rücken umzudrehen.

Den Partner umdrehen (judospezifische Lösung der Situation Bauchlage als Obermann)

Ein Partner liegt auf einer Turnermatte bäuchlings, der andere versucht ihn gegen dessen Widerstand auf den Rücken zu drehen und danach durch Belasten mit dem eigenen Körpergewicht zu fixieren.

Mausefalle (Hinführung zu ersten Haltegriffen des Judos)

Die Maus krabbelt auf dem Rücken unter der Falle (Partner im Vierfüßlerstand) durch. Die Falle schnappt zu wenn die Maus gerade mit der Hüfte unterdurchschlüpft. Sie versucht sich zu befreien.

Unumstößlich (judospezifische Situation der Bankposition)

Ein Partner befindet sich im stabilen Vierfüßlerstand. Der andere versucht ihn durch Schieben und Ziehen an der Hüfte und an den Schultern aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Schildkröten umdrehen (judospezifische Lösung der Situation als Obermann)

Eine Gruppe der Jäger versucht in möglichst kurzer Zeit alle Schildkröten auf den Rücken zu drehen. Danach wechseln die Gruppen.

Ausbrechen

Drei oder vier Schüler/innen sitzen um einen weiteren Schüler im Kniesitz herum und fassen sich eng an den Armen/Ärmeln. Der eingeschlossene Schüler soll nun versuchen aus dem Kreis auszubrechen, die anderen verhindern dies mit ihren Körpern.

Kampfspiele am Boden

Auch wenn diese Kampfspiele noch nicht das normierte Ringen oder das traditionelle Judo sind, so ist doch die Schwelle zum sportlichen Zweikämpfen nur noch eine sehr kleine. Wer hier angekommen ist kennt viele Fragen, die sich aus dem Zweikämpfen am Boden ergeben aus erster Hand und wird Lösungen, die aus den Sportarten Ringen oder Judo angeboten werden, einordnen können.

Sehr wichtig wird nun, dass die Kämpfe in einen rituellen Rahmen eingebettet werden, d.h. die Verbeugung zu Beginn und am Ende des Kampfes sollten auf keinen Fall fehlen.

Gürtelklau

Beide Partner haben einen Gürtel umgebunden und mit einem Judoknoten versehen. Wem gelingt es zuerst, den Gürtel des anderen abzubinden?

Kampf um den Kniestand

Beide Partner befinden sich voreinander im Kniestand (oder im hohen Kniestand, d.h. ein Fuß ist zusätzlich aufgesetzt). Durch Variation des Griffes, durch Schieben und Ziehen versuchen beide den anderen aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Bodenrandori

Beide Partner befinden sich voreinander im Kniestand und versuchen sich gegenseitig auf den Rücken zu ziehen/schieben und dort zu fixieren.

Kampfspiele am Boden in der Gruppe

Es kann in manchen Lerngruppe sinnvoll sein, vor dem Zweikämpfen das unverbindlichere Kämpfen in einer größeren Gruppe einzuführen. Dennoch ist wichtig zu betonen, dass die Schüler/innen ein ziemlich großes Maß an Disziplin und Verantwortungsgefühl für die Partner/innen aufbringen müssen, damit es nicht zu Verletzungen durch Übermut oder falschen Krafteinsatz kommt.

Sockenraub

Alle Schüler/innen wurden aufgefordert zur Stunde ein frisches Paar Socken mitzubringen (Ersatzsocken in Reserve bereithalten). Ziel des Kampfes, der z.B. auf zwei Weichbodenmatten stattfinden kann, ist es, die Socken der Mitkämpfenden auszuziehen. Wer hat als Letzter noch eine Socke an?

Wildwechsel

Eine größere, längliche Mattenfläche ist in drei Felder geteilt, wobei das mittlere Feld etwas schmaler sein darf als die beiden äußeren. Im mittleren Feld befinden sich mehrere Jäger im Vierfüßler/Kniestand. Aufgabe des Wildes ist es nun, von einer Seite auf die andere krabbelnd zu wechseln. Aufgabe der Jäger ist es, das Wild zu fangen, indem es auf den Rücken gedreht wird. Wer so “verwundet” wurde muss einen Durchgang aussetzen.

Dreiländerkampf

Eine größere, längliche Mattenfläche ist in drei gleichgroße Felder geteilt. Alle starten in Feld 1 und versuchen durch schieben Mitschüler/innen in Feld 2 zu drängen. Wer dort ist versucht Mitschüler/innen in Feld 2 hineinzuziehen und gleichzeitig weitere in Feld 3 zu schieben, ohne selbst geschoben zu werden. Sieger 1 ist, wer zuletzt noch in Feld 1 ist, Sieger 2 ist, wer zuletzt noch in Feld 2 ist.

Zum Ausklang

Menschenrüttelbank

Fünf bis sechs Schüler/innen bilden eine Gruppe, wobei sich alle im Vierfüßlerstand eng nebeneinander befinden und sich einer vorsichtig rücklings auf alle legt. Dieser wird von den übrigen durchgeschüttelt.

Rollbahn

Alle Schüler/innen liegen eng an eng nebeneinander. Der am Rand liegende Schüler wälzt sich (Arme nach oben gestreckt) vorsichtig über alle Mitschüler/innen, dann folgt der nächste.

Ringerdusche

Ein Partner liegt auf dem Bauch oder befindet sich in der kleinen Bank. Der andere klopft mit den Fingerspitzen den Rücken.

Pizzabacken

Ein Partner liegt auf dem Bauch, die Arme neben dem Körper. Der neben ihm kniende Partner “backt” nun eine Pizza, indem er den Teig knetet (die Rückenmuskulatur massiert), Ketchup aufbringt (die Rückenmuskulatur mit den Handflächen ausstreicht), die Pizza mit Paprika belegt (die Zeigefinger beider Hände drücken vorsichtig den Rücken), Salami auflegt (mit den Handflächen den Rücken drückt, die Pizza mit Käse belegt (fest mit den Fingerspitzen die Muskulatur “krauelt”) und zu Schluss die Pizza backt (Handflächen durch starkes Reiben aneinander erwärmt und dem Partner auf den Rücken legt).

Weiterführende Hinweise

Die angegebenen Spielnamen orientieren sich an dem Buch von BEUDELS, Wolfgang/ ANDERS, Wolfgang “Wo rohe Kräfte sinnvoll walten” (Dortmund, 2001), da es die bisher einzige systematische Veröffentlichung zum Thema ist. Dennoch gibt es zahlreiche gute Sammelwerke zum Thema “Ringen und Raufen”, die fast identische Beschreibungen und methodisch-didaktische Hinweise enthalten.

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