Versuch einer Definition 
 von Gewalt

Einige Überlegungen  zur Definition von Gewalt
von Ralf Pöhler

Eine mögliche Definition von “Gewalt”

“Gewalt benennt die Beziehung zwischen einem Täter und einem Opfer.”

Gewalt ist dieser Definition nach Ausdruck einer gestörten Beziehung. Aggressionen sind nicht mit Gewalt gleichzusetzen. Entscheidend ist die Frage, wie mit Aggression umgegangen wird:

    § offen destruktiv (Täter)

    § verdeckt destruktiv (intrigant, gemein sein ...)

    § autoaggressiv (gegen sich selbst gerichtete Aggression)

    § offen konstruktiv

Wo liegen  unsere Erziehungsaufgaben in Hinblick auf Gewaltprävention als Judo-Verein bzw. Judo-Übungsleiter/in?

Gewalt unter Kindern und Jugendlichen innerhalb der Judogruppe muss verhindert/unterbunden werden.

Kinder und Jugendliche sollen im Sinne Kanos zum beiderseitigen Helfen und zum beiderseitigen Respekt anhalten werden. Von dem/der Übungsleiter/in wird erwartet, dass er/sie dies selbst vorlebt, denn: “Wirksam werden wir nur (!) durch uns selber. Immerhin! ...”

Was wir leisten können ist vor allem Primärprävention und nicht viel mehr, - es sei denn, wir haben noch zusätzliche Qualifikationen (z.B. als Sozialarbeiter/in).

Gewaltprävention ist immer Arbeit an Beziehungen. Insofern muss sich Judo-Unterricht, der körperliche Auseinandersetzung als Gegenstand hat, neben der fachlichen Arbeit vor allem um die Beziehungsebene innerhalb der Gruppe kümmern.

Kampfsportarten sind nicht nach der oben angeführten Definition nicht gewalttätig, denn

    § Kampfsportarten geben sich Regeln nach denen die körperliche Auseinandersetzung stattfindet.

    § sie setzen Freiwilligkeit bei der körperlichen Auseinandersetzung voraus.

    § das Kämpfen wird von einem Schiedsrichter begleitet.

    § im allgemeinen herrscht ein Gleichgewichtigkeit der Partner.

    § es gibt die Möglichkeit aussteigen, bzw. den Kampf jederzeit zu beenden (Auszeit, Stopp-Signal)

Auch wenn wir nicht das Thema “Gewalt im Schulalltag” aufarbeiten können, so gibt es dennoch viele gemeinsame Anknüpfungspunkte wie Ausgrenzung, Mobbing, Gruppenzugehörigkeit, Andersartigkeit, Mädchenrolle und Jungsrolle, die mit Judo (im weitesten Sinne von Körperübungen) aber auch mit anderen Übungsformen aufgegriffen werden können.

Wo liegen als Judo-Verein bzw. Judo-Übungsleiter/in unsere Stärken in Hinblick auf Gewaltprävention?

Die Stärken von Judo liegen ganz klar in der Körperorientierung: Judo ist Arbeit mit dem Körper. Judo fördert das Verstehen-Lernen von Körpersignalen und Körpersprache. Im Judo sind “Körperstrategien” wichtiger als verbale Strategien. Damit kommt Judo Kindern und Jugendlichen sehr nahe, weil bei ihnen oftmals der Körper als ihr “Kapital” empfunden wird.

Judo fördert die Wahrnehmung eigener und fremder Bedürfnisse, eigener und fremder Grenzen, die Wahrnehmung von Nähe und Distanz.

Das Judo-Dojo muss, wenn Judo-Unterricht gewaltpräventorisch wirken soll, einen Schutzraum darstellen. In diesem Schutzraum gibt es keine mutwilligen Körperverletzungen, Beleidigungn, Ungleichbehandlungen oder Sachbeschädigungen. Dieser Schutzraum “Judo-Dojo” muss unbedingt von den Übungsleiter/innen bewahrt werden, für diesen Schutzraum stehen Erzieher/innen mit ihrer ganzen Person ein. In einem solchen Schutzraum für soziales Lernen können Neuentscheidungen gegen die Gewalt des Alltags vorbereitet werden.

Stärke des Judo liegen in seinen Traditionen und Ritualen. Kämpfen läuft im Judo nach solchen Regeln und Ritualen ab, aber auch das Verhalten im Dojo und auf der Judo-Matte. Dadurch wird ein konstruktives Ausagieren der eigenen Aggressionen möglich.