Verletzungsstatistik

Bei der SPIRIDON-Redaktion fragte Norbert Wertheim aus Niedersachsen nach dem DJB-Workshop “Judo & Gesundheit” an (Ausgabe 09/2000):

Neben dem Laufen bin ich ebenso im Judo aktiv. Auf einem bundesweiten Judo-Workshop legte einer der dortigen Referenten (aktiver Judoka und Arzt) eine Statistik vor, aus der hervorging, dass das Laufen die mit Abstand verletzungsträchtigste Sportart sei. Andere Disziplinen, wie z.B. Fußball, Basketball, Handball, Judo etc. wiesen demnach die geringste Unfallhäufigkeit auf.

Ich hegte sofort Zweifel an den vorgelegten Zahlen; und auf meine Rückfrage hin erklärte der Vortragende, dass es sich um absolute Zahlen handelte, und nicht um relative Werte. Das heißt, die Anzahl der Verletzungen wurde nicht ins Verhältnis gesetzt zu der Anzahl der Sporttreibenden. Außerdem wurde nichts über die Schwere der Verletzungen gesagt, ebenso wenig, ob es sich um Freizeitsportler/innen oder um Profis handelte.

Meine Frage an die SPIRIDON-Redaktion: Gibt es aussagefähige Zahlen über die Verletzungshäufigkeit der einzelnen Sportarten? Ich würde bei Diskussionen über dieses Thema gern mit fundierten Werten aufwarten können, erscheint es mir doch immer noch zweifelhaft, dass das Laufen die verletzungsträchtigste und somit gefährlichste Sportart sein soll.

Prof. Dr. med. Gerhard Uhlenbruck rät:

Neuere Untersuchungen sind mir dazu nicht bekannt, aber es dürfte sich wenig geändert haben seit den Untersuchungen von Cotta und Steinbrück 1982 (Sportverletzungen und Sportschäden im Breitensport, Deutscher Sportärztekongress in Köln). Ganz oben steht Fußball (36%), gefolgt von Skilaufen (9%), Handball (7%), Leichtathletik inklusive Laufen (7%), Turnen (6%), Volleyball (5,6%), Basketball (5,5%), Tennis (4%), Reiten (2%), Rugby (2%), Schwimmen (1,6%). Hier fehlen natürlich Trendsportarten wie Inline-Skating.

Dass Laufen die verletzungsträchtigste und deshalb gefährlichste Sportart sein soll, diese Behauptung stimmt nicht. Im übrigen liegt Judo in dieser Tabelle (ich habe die abgerundeten Zahlen genannt) an letzter Stelle mit 1,3%. Auch wenn sich die Zahlen geringfügig ändern sollten, an der Reihenfolge dürfte sich weniger etwas ändern. Laufen und Joggen würde ich an 5.Stelle sehen und ist damit weitgehend ungefährlich. Viele Statistiken beinhalten auch den Profisport (Boxen!), was das Bild verfälscht, andere haben noch nicht Triathlon miteinbezogen, und wiederum einige sehen im Kelgen (!) den gefährlichsten Sport (Zahl der Todesfälle). Denken Sie an das bekannte Bonmot von Winston Churchill: Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast"

P.S.: Weitere Quellen könnten Sie in den Zeitschriften “Versicherungsmedizin” sowie in den letzten Jahrgängen der “Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin” finden

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