Dissertation “Dialogik im Partnerkontaktsport” - Anthropologische Grundlagen für eine sportpädagogische Theorie der Leibeserziehung vor dem Hintergrund
der Dialogphilosphie Martin Bubers
http://www.sub.uni-hamburg.de/disse/415/Dissertation.pdf Abstract
Die erarbeiteten anthropologischen Grundlagen für eine sportpädagogische Theorie der Leibesbeziehung stehen vor dem Hintergrund der Dialogphilosophie Martin
Bubers (1878- 1965) und dem damit verbundenen ontologischen Verstehensmodell der Doppelaspektivität der menschlichen Beziehungsweise zur Welt (Ich-Du-Beziehung und Ich-Es-Beziehung). Mit Hilfe dieses Bezugsrahmens
konstatiert der Autor die bestehende Gefahr, die sich als Folge moderner posttraditioneller gesellschaftlicher Entwicklungen und Lebensweisen er- geben hat: die Vernachlässigung der das (Mit)Menschliche konstituierende
Ich-Du- Beziehung. Es werden die für die Arbeit wesentlichen Grundzüge des Dialogdenkens Bubers dargelegt. In Gegenspiegelung zu bereits vorhandenen Bewegungsdialogvorstellungen in der Sportwissenschaft zeigt der Autor
eine dialogphilosophische Interpretation des Bewegungsdialoges auf. Damit ist die
Dialogphilosophie Bubers erstmals umfassend in den sportpädagogischen Diskurs über den sportlichen Bewegungsdialog eingebracht. Die er- brachte leib- und dialoganthropologische Grundlegung beschränkt sich auf die
Erarbeitung einer Bewegungsdialogik für diejenigen Sportarten, in denen ein permanenter, gegenseitiger Kontakt mit einem Partner wesentlich ist (Partnerkontaktsport). In der dialogphilosophischen Ausdeutung dieser
sportpädagogisch äußerst interessanten Bewegungswelt - stets gleichzeitige leibliche und menschliche Nähe zu einem sportlichen Partner oder Gegner - generiert der Autor eine sportpädagogisch relevante anthropologische
Grundlegung des Partnerkontaktsports zur 'not-wendigen' dialogischen Erziehung und Selbsterziehung im und durch diesen Sport. Wesentliches Kennzeichen der Untersuchungen ist eine kritische Abwendung von normorientierten
Denkmustern für den Bereich sportpädagogisch bedeutsamer Theorie- und Handlungsfelder. Die
anthropologischen und dialogerzieherischen Darstellungen zur Leibesbeziehung im sportlichen Bewegungsdialog erfahren abschließend eine Konkretisierung anhand der Partnerkontaktsportart Judo. Lutz Gerdes wurde 1964 in
Lübeck geboren. An der Universität Harnburg studierte er Behindertenpädagogik und Sport für das Lehramt an Sonderschulen. Als Lehrer arbeitet er heute an der Fach- schule für Heilerziehung in Harnburg. |