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Die pädagogische Bedeutung des Judo für Kinder und Jugendliche Prof. Jürgen Funke-Wieneke, 1999 Nachfolgend einige Kernaussagen des einführenden Referates, dass Prof. Funke-Wieneke beim DJB-Workshop zum Thema “Judo & Pädagogik”
1999 in Bad Blankenburg gehalten hat. Das vollständige Referat ist im Sammelband der Workshop-Beiträge abgedruckt und kann beim
Deutschen Judo-Bund bestellt werden. Das Erzieherische steckt nicht im Judo wie die Medizin nicht
im Medizinball steckt: Es ist der Gebrauch der sachlich angelegten Möglichkeiten, den die unmittelbar Beteiligten davon machen, was über die Erziehlichkeit entscheidet. ... Es erzieht nicht die Sache an sich, sondern die
menschliche Gemeinschaft als Ganze, in deren Rahmen die Sache vermittelt, betrieben und gepflegt wird. Sie können diesen Gedanken an dem einfachen Beispiel einer mehr leistungssportlich eingestellten und einer mehr breitensportlich
konzentrierten Judoabteilung nachvollziehen: In beiden Abteilungen begegnet der junge Mensch nicht dem Judo an sich, sondern einem, in dem einen oder anderen Sinne ausgelegten Judo und er begegnet jeweils Menschen, die voneinander
abweichende Maßstäbe und Ideale der Lebensführung repräsentieren. Wenn ein Mensch sich wandeln soll, eine schlechte Gewohnheit unterlassen, gute Gewohnheiten erwerben und bewähren soll, dann muss er dies in letzter Instanz selbst
tun. Niemand kann stellvertretend für ihn menschlich gut, sozial verträglich, wachsam, neugierig und offen sein, nicht rauchen, keinen Alkohol trinken, usw. ... Judo kann nicht direkt wirken, wie ein Hebeldruck eine Maschine in
Gang setzt. Die erzieherische Aufforderung kann – wenn überhaupt – nur in interpretierter Form übernommen werden , mit anderen Worten sie wirkt nicht wie sie gemeint, sondern so, wie sie verstanden worden ist. ... Daher frage ich
nicht, was Judo erzieherisch bewirken kann, sondern ich frage danach, ob und in welcher Weise sich das Betreiben von Judo als erziehliches Milieu zur Unterstützung der Selbsterziehung darstellt. Dafür stelle ich einige Prüffragen
bereit, die es erlauben, die Erziehlichkeit des Milieus zu erkennen und ggf. zu verbessern.
Das Kämpfen ist Ausdruck eines triebhaften nicht voll bewussten oder beherrschbaren Verlangens nach Macht und Kontakt. Wenn Sie das Kämpfen regeln, können sie dieses triebhafte Verlangen nicht nur zum Ausdruck bringen, sondern
auch bewusst und verarbeitbar machen. ...Es dürfte für uns als Erzieher nicht Anlass sein, das zu einer Kampfmaschine zu entwickeln, es dürfte aber genauso wenig Anlass sein, das zu unterdrücken und wegzutun in einer falsch
verstandenen Friedenserziehung. Friedfertigkeit entsteht nicht durch Verdrängung, sondern aus dem Bewusstsein, dass man gefährdet ist und mit dieser Gefährdung umgehen kann. Das Kämpfen stellt viele existenzielle Grundfragen, die
handelnd erkannt und beantwortet werden. Man stellt Fragen und findet Antworten auf Dinge wie Angreifen, Standhalten, Ausweichen, wie Freisein und Gefesseltsein, Herrschen und Beherrschtwerden, Besitzen und Loslassen, Gewinnen und
Verlieren, Nehmen und Geben und noch viel mehr. ... Aber vor allem ist es (das Judo) eine tätige Philosophie. Und in dieser stellt sich die paradoxe Möglichkeit ein, im Widerstreit Fürsorge zu tragen. Das halte ich für die
eigentlich menschliche Botschaft eines geregelten Kämpfens in Ihrem Sinne, dass man es versteht, den Widerstreit einzugehen und die Fürsorge zugleich zu gewähren. Ich meine, es gibt nicht viele, die das wirklich können und auch,
dass es nicht etwas ist, was man einmal gelernt hat und immer kann, sondern eine Erfahrung, an die man sich, wenn man sie gemacht hat, immer wieder erinnern kann, wenn es ernst wird. ... Die Fähigkeit mit anderen Menschen
umzugehen ist begründet in der Fähigkeit mit anderen Bewegungsbeziehungen eingehen zu können und in den Bewegungsbeziehungen etwas zu sagen, zu verstehen und damit dialogfähig zu werden. Ich denke, dass man ein bisschen von der
dabei zugrunde liegenden Theorie erahnt, wenn man bedenkt, dass die erste Verständigungsmöglichkeit eines Neugeborenen mit dem Erwachsenen nicht die Sprache ist, sondern die Wahrnehmung der Körperspannungen, die die Stimmungen und
Beziehungen ausdrücken. Diese erste Erfahrung prägt die Sozialität und die Entwicklung des Kindes über lange Zeit.
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